Angaben aus der Verlagsmeldung

Die symphonischen Schwestern : Narrative Konstruktion von 'Wahrheiten' in der nachklassischen Geschichtsschreibung



"Dies schreibe ich so, wie es mir wahr zu sein scheint" – mit seinem methodischen Anspruch legte der griechische Geschichtsschreiber und Geograph Hekataios von Milet (560–480 v.Chr.) den gedanklichen Grundstein für die Geschichtsschreibung der Griechen. Jedoch kristallisierte sich schon bei seinen Nachfolgern Herodot und Thukydides heraus, dass die Interpretation von Wahrheit äußerst kontextspezifische Ausprägungen annehmen konnte. Hinter den oftmals widersprüchlich anmutenden Ansichten standen individuelle, zeitgebundene Gedankenmodelle. Sie waren das Ergebnis verschiedener, sich gegenseitig beeinflussender Aushandlungsprozesse, in denen sich neue Formen von Wahrheit herausbildeten. Die daraus resultierende Problematik spitzte sich im 4. und 3. Jahrhundert insofern zu, als die Frage nach einer wahrheitsgemäßen Darstellung immer stärker in den Mittelpunkt rückte und als polemisches Abgrenzungsmerkmal gegenüber Schilderungen anderer Geschichtsschreiber eingesetzt wurde. Die Beiträge dieses Buches lösen sich von alten Interpretationsschemata und loten neue Wege aus, den Wahrheitsanspruch in der nachklassischen Geschichtsschreibung zu beschreiben.