Angaben aus der Verlagsmeldung

Das letzte Tabu : Über das Sterben reden und den Abschied leben lernen / von Anneliese Keil, Henning Scherf


Viele Menschen sterben angeschlossen an Schläuchen auf der Intensivstation eines Krankenhauses. Wenn sie Glück haben, ist jemand da, der ihre Hand hält. Müssen wir Angst vor der Einsamkeit am Ende haben? Henning Scherf und Annelie Keil beobachten und fordern eine gesellschaftliche Kursänderung. Sie beschreiben ihre persönlichen Erfahrungen mit dem Tod, bittere wie tröstliche, und verbinden diese mit der Frage: Wie wollen wir sterben?
Ein sehr persönliches Buch, das auch eminent politisch ist. Und das Mut macht, Abschied gemeinsam zu leben, um erträglicher zu machen, was wir zuletzt alle durchleben müssen. Was ist ein guter Tod? Wie sterben wir? Und: Wie möchten wir sterben? Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, in einer industrialisierten Gesellschaft, in der jeder eine Rolle zu erfüllen hat. Wir sterben angeschlossen an Schläuche auf der Intensivstation eines Krankenhauses und wenn wir Glück haben, ist jemand da, der unsere Hand hält. Immer öfter nehmen sich Menschen im hohen Alter das Leben, weil sie einsam sind, weil sie ihren Kindern und Enkeln nicht zur Last fallen wollen. Sogar im Parlament wird die Möglichkeit der Sterbehilfe diskutiert, weil viele dies wollen, weil unsere europäischen Nachbarn dies zum Teil schon praktizieren, weil wir unseren Tod selbst bestimmen wollen, weil wir Angst vor der Einsamkeit am Ende haben. Wir lassen uns anonym bestatten, weil ohnehin niemand da ist, der das Grab pflegt. Wir verdrängen unsere Trauer und machen weiter wie bisher, weil unsere Funktionsgesellschaft das so von uns erwartet.
Doch es gibt auch die Gegenbewegung. Es gibt ehrenamtliche Hospizhelferinnen, die Familien unterstützen, wenn einer ihrer Angehörigen stirbt, damit ein Sterben zuhause möglich ist. Es gibt Hospize, die Sterbende liebevoll aufnehmen, die niemanden zuhause haben, der ihnen beistehen kann. Es gibt ehrenamtliche Gruppen, die Trauernden beistehen. Es gibt neue Formen der Beerdigung, die aus einem verkrusteten und Angst einflößenden Ritual einen persönlichen Abschied machen. Wir erleben also gerade eine gesellschaftliche Kursänderung - noch nicht konsistent, aber ein Anfang ist gemacht.
Diesen Anfang betrachten und befördern Henning Scherf und Annelie Keil in ihrem neuen Buch. Beide, die als Kinder das Sterben im Krieg gesehen haben und auf der Flucht erleben mussten, wie so viele ihrer Generation starben, und die ihre Freunde beim Sterben begleitet haben, beschreiben ihre persönlichen Erfahrungen mit dem Tod. Sie verbinden diese Erfahrungen mit der gesellschaftlichen Frage danach, wie wir heute sterben wollen. Ein Buch, das Mut macht, dem Tod gemeinsam ins Auge zu sehen, um erträglicher zu machen, was wir alle durchleben müssen.