Angaben aus der Verlagsmeldung

Radikalisierung / von Farhad Khosrokhavar


Die Brüder Kouachi, die in der Redaktion von Charlie Hebdo zwölf Menschen töteten, waren keine von weither eingeflogenen Glaubenskrieger, sondern kamen aus dem 10. Arrondissement. Was trieb sie, die einer säkular geprägten Familie entstammten, zum Äußersten? Anders als jene islamophoben Verschwörungstheorien, die uns in der trügerischen Gewißheit wiegen wollen, der Feind komme von außen, hält Farhad Khosrokhavar auf diese komplexen Fragen keine einfache Antworten bereit. Ein Jahr vor den Anschlägen von Paris geschrieben, geht seine bahnbrechende Studie den Gründen nach, aus denen zumal junge Männer sich radikalisieren und im Namen der einen oder anderen Ideologie schließlich zur Tat schreiten. Sein Augenmerk gilt namentlich jener sozialen Desintegration, die den Übergang zur Gewalt erst möglich macht. Die Gewalttat ist allzuoft das letzte und verweifelte Mittel in einem aussichtslos gewordenen Kampf um Anerkennung. Indem es Angst und Schrecken verbreitet, fordert das gedemütigte Subjekt, das sich jeder Zukunft beraubt sieht, noch einmal den verweigerten Respekt, dessen Zerrbild die finstere Reputation des Gewalttäters ist.