Angaben aus der Verlagsmeldung

Film im Transferprozess : Transdisziplinäre Studien zur Filmsynchronisation


Nach 85 Jahren Tonfilm und ebenso langer Zeit des Synchronisierens fremdsprachiger Filme in Deutschland ist ein Paradox zu konstatieren. Der massenhaften Verbreitung synchronisierter Filme und Fernsehserien steht das Fehlen jeglicher systematischer Forschung über dieses Phänomen gegenüber. Bis heute ist es dieser Branche gelungen, ihr Handwerk vorwiegend im Verborgenen und Anonymen zu verrichten, weitgehend unbehelligt von kritischen Nachfragen seitens der Kritiker oder Medienwissenschaftler. Wiewohl Teil einer - von der kritischen Publizistik an sich gut durchleuchteten - Massen- und Populärkultur, etablierte sich über Jahrzehnte hinweg ein von den Verantwortlichen der Filmwirtschaft sorgsam gehütetes Tabu, das bislang noch jeder gelegentlich hervorbrechenden Polemik gegen „Zensur”, „Verfälschung” und „Manipulation” tapfer standhielt. Das errichtete und verteidigte Arkanum in diesem Außenposten der Filmindustrie und das Desinteresse der Filmpublizistik bedingen sich gegenseitig. Die breite Akzeptanz beim Publi­kum korrespondiert mit der Renitenz der Kritik. Filmsynchronisation findet sich trotz seiner massenhaften Anwendung weder als Bezugs­moment in der einschlägigen Filmkritik wieder, noch bildet das Thema einen festen Bestandteil in den Lehrplänen der Filmhochschulen und der universitären Filmwissenschaft.
Dieser Band will erste Beiträge zu einer Klärung der Fragestellungen liefern. Der transdisziplinäre Zugriff und die Thematisierung verschiedener Aspekte aus unterschiedlichen Perspektiven, sowohl aus der Wissenschaft wie aus der Praxis, tragen der Mehrdimensionalität der audio-visuellen Bearbeitung Rechnung.