Angaben aus der Verlagsmeldung

Verlustkino. Trauer im amerikanischen Polizeifilm seit 1968 / von Sascha Keilholz


1968: Während der Vietnam-Krieg die USA außenpolitisch dominiert, kennzeichnet eine Reihe politischer Attentate die innenpolitische Lage. Der Verlust seiner Hoffnungsträger hinterlässt der Nation ein Vakuum. Das Land ist endgültig zerrissen.
Auch für die US-amerikanische Filmindustrie wird der Jahreswechsel 1967/68 zur Zäsur. Das New Hollywood-Kino prägt eine neue Epoche. Aus dieser Konstellation entsteht das Verlustkino, das insbesondere im Western präsente mythische Elemente übernimmt.
In einer transzendierenden Bewegung, die von Point Blank über The Wild Bunch, Coogan’s Bluff und Dirty Harry sowie Electra Glide in Blue nachempfunden wird, sucht sich jene Substanz neue Darstellungsformen.
Der Western wird zum Kriegsfilm-Substitut, nur um seine Typologie im Polizeifilm als Weiter-entwicklung des Gangsterfilms wiederzufinden. Die Hybridisierung des Genres führt zu seiner Dekonstruktion.
Epilog: In einer digitalen Welt träumt der postmoderne Polizeifilm Miami Vice den mythologischen Kern des Western nur noch als Reminiszenz. Doch im Schoß der seriellen Erzählung stimmt er noch einmal den immer wiederkehrenden Klagegesang vom großen Verlust an.