Angaben aus der Verlagsmeldung

Die Anwälte Karl und Theodor Liebknecht mit einer vollständigen Dokumentation ihrer Prozesse von 1900–1916 / von Matthias John


Aus den überlieferten Quellen geht hervor, dass Theodor Liebknecht nach dem Besuch der Universitäten Leipzig (zwei Semester), Freiburg i. Br. (ein Semester) und Berlin im April 1892 nach Abschluss des Wintersemesters 1891/92 sein Examen und im Juni/Juli 1898 seine Assessorenprüfung abgelegt hatte, die eine große finanzielle Belastung für die Familie Liebknecht war. Und am Tage des Assessorexamens seines zweitältesten Sohnes Karl, also am 5. Mai 1899, schrieb Vater Wilhelm Liebknecht an I. Bahlmann: „Mein zweiter Sohn ist heute glücklich durch’s (letzte) Examen und kann sich nun in etwa 8 Wochen mit dem ältesten assoziieren.“
Es lässt sich quellenmäßig belegen, dass Theodor nach Eröffnung der gemeinsamen Rechtsanwaltskanzlei mit Karl Liebknecht im Jahre 1899, soweit nur möglich, seinem jüngeren Bruder das Agieren vor Gericht überließ; so war Karl im Zeitraum von 1900 bis 1914 in insgesamt 218 Prozessen vor oder hinter den Gerichtsschranken zu finden, während für dieselbe Zeit in denselben Quellen nur 52 Prozessbeteiligungen des älteren Bruders nachgewiesen werden konnten.
Nach einer Gesamtwürdigung kommt man nicht umhin, festzustellen, dass Karl Liebknecht neben Kurt Rosenfeldxe "Personenindex:Rosenfeld, Kurt ([1877 1943] Jurist) – sozialdemokratischer Reichstagsabgeordneter u. Rechtsanwalt in Berlin", Wolfgang Heine, Hugo Heinemann und Hugo Haase wohl der herausragende Anwalt in der deutschen Sozialdemokratie, oder – um es mit einem modernen Begriff auszudrücken – „einer ihrer Staranwälte“ war, der in vielen gerade politisch spektukulären Proessen erfolgreich auftrat.
Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang auch der Umstand, dass Liebknechts erfolgreiches Wirken als Anwalt in führenden Kreisen der deutschen Sozialdemokratie nach seiner Ermordung im wahrsten Sinne des Wortes totgeschwiegen wurde.