Angaben aus der Verlagsmeldung

Dieter Schnebel : Querdenker der musikalischen Avantgarde


Dieter Schnebel (geb. 1930) zählt zu den einfl ussreichsten deutschen Avantgardekomponisten des 20. und 21. Jahrhunderts. Als unabhängiger Querdenker verfolgt er keine Trends. Stattdessen geht es ihm um die konsequente Ausarbeitung seiner politischen und religionsphilosophischen Ideen und Sozialutopien. Am 14. März 2015 feiert Dieter Schnebel seinen 85. Geburtstag.
Bahnbrechend waren Dieter Schnebels experimentelle Laut- und Sprachkompositionen der 1960er Jahre sowie die skandalumwitterten "Produktionsprozesse" der 1970er und frühen 1980er Jahre. Schnebel ist auch ein Vorreiter synästhetischen Komponierens: Die als stumme Bildmusik konzipierte Dia-Schau "Ki-no" (1963–67) und das Musik-Lesebuch "Mo-No" (1969) sind Meilensteine visueller Musik. Nicht zuletzt tut sich der Avantgardist auch als Vermittler zwischen Tradition und Moderne hervor, im Sinne eines Weitergebens im Dialog sowie als anachronistischer Verfechter des "Schönen" in der Neuen Musik. Dies findet seine Entsprechung in den umfangreichen Werkzyklen "Re-Visionen" und "Tradition", die er in den 1970er Jahren beginnt, aber auch in einem beeindruckenden Opus musikästhetischer Essays und Analysen, von der Klassik bis zur Avantgarde der eigenen Zeitgenossen. Schnebels großangelegte Spätwerke seit den 1990er Jahren künden schließlich von seinem Streben, zusammenzufassen und allgemeingültige Zeugnisse seiner musikalischen Sprache und seines musikalisch-theologischen Weltbildes abzulegen. Der Band würdigt das Lebenswerk Dieter Schnebels aus neuen, interdisziplinären Perspektiven. Er widmet sich dabei vor allem seinem Spätwerk sowie ausgewählten Schlüsselwerken, refl ektiert den reformtheologischen Ansatz und nimmt erstmals seine musikliterarischen und künstlerischen Arbeiten in den Blick. Ziel ist der Versuch einer Neueinschätzung der weitreichenden Bedeutung des Komponisten für die Musik des 21. Jahrhunderts sowie die Formulierung von Aufgaben und Herausforderungen, vor die Dieter Schnebel nicht nur die Forschung stellt.
Mit Beiträgen von Mark Andre, Christa Brüstle, Matthias Brzoska, Anna Clementi, Chaya Czernowin, Stefan Fricke, Konrad Gölz, Suguru Goto, Constantin Gröhn, Simone Heiligendorff , Jörn Peter Hiekel, Michael Hirsch, Steven Holt, Ariane Jeßulat, Christian Kesten, Andreas Krause, Chico Mello, Gisela Nauck, Chris Newman, Matthias Osterwold, Matthias Rebstock, Elisabeth Schmierer, Ernstalbrecht Stiebler, Martin Supper, Barbara Thun, Theda Weber-Lucks und Michael Wertmüller.