Angaben aus der Verlagsmeldung

Ordnungen des Säkularen : Christentum, Islam, Moderne / von Talal Asad


Gegenwärtig ist die Debatte über das Verhältnis von Säkularisierung und Religion neu aufgeflammt. In ihrem Zusammenhang stellt Talal Asads Buch Fragen, deren Beantwortung geeignet ist, die uns lieb gewordenen Annahmen über das Säkulare zu erschüttern. Ist Säkularisierung wirklich darauf aus, Religion zu zivilisieren, will heißen das Gewaltpotenzial zu bändigen, das sie dieser unterstellt? Ist der Zusammenhang von Modernisierung und Säkularisierung tatsächlich so eng und so unproblematisch gegeben, wie viele es annehmen? Welche diskursiven Zurichtungen sind es, die das Religiöse in säkularistischer Perspektivierung erfährt?Leitend in Talal Asads Buch ist die provokante Frage, wie eine Anthropologie des Säkularismus auszusehen hätte. Während sich Ethnologen auf das Studium der Fremdheit der außereuropäischen Welt verlegt haben und nicht-rationale Dimensionen des gesellschaftlichen Zusammenlebens (Mythos, Tabu und Religion) untersuchen, kehrt Asad die Blickrichtung um, indem er subjektive Empfindungshaltungen, soziale Praktiken und Formen des Rechts, in denen sich – im modernen Westen, aber auch im Nahen Osten – das Säkulare formierte und weiterhin manifestiert, ihrerseits einer ethnologischen Befragung aussetzt. Das Säkulare wird auf diese Weise als flexible Größe kenntlich, die sich nach Maßgabe unterschiedlichster Kontexte überaus vielgestaltig und inhomogen artikuliert.Asads Schlussfolgerung lautet, dass das Säkulare nicht als Nachfolgeformation des Religiösen be-trachtet oder auf der Seite des Rationalen und der Vernunft verortet werden kann. Vielmehr handelt es sich um eine Kategorie mit einer vielschichtigen Vergangenheit, die mit den großen Konzepten der Moderne, wie etwa der Demokratie oder den Menschenrechten, auf eine andere Art verbunden ist als Anthropologen, Historiker und Religionswissenschaftler, die sich mit der Moderne beschäftigen, bislang angenommen haben.