Angaben aus der Verlagsmeldung

»Bruchflächen funkeln lassen« : Aufsätze zu einer literarischen Morphomatik / von Rüdiger Görner


»Literarische Morphomatik« meint einen poetischen Zustand, der sich in sprachästhetischen Formen niederschlägt. Dazu gehören auch ins Poetische übersetzte geometrische Figuren wie die Fraktale, Formen von Wiederholung, Rhythmus, Serialisierung oder Sequentialisierung sowie »Bruchflächen«, die in einer Formulierung Gottfried Benn Das in Literatur durch Form und Gefühlsausdruck aufgehobene Wissen versuchen im ersten Teil einige dieser Beiträge an exemplarischen Fällen herauszuarbeiten, wobei die aus diesem literarisierten ›Wissen‹ abgeleiteten theoretischen Ansätze nicht mehr wollen, als ihrerseits »Bruchflächen« einer literarischen Ästhetik zu umreißen. Im zweiten Teil geht es um ›Wirkungen‹, ein Begriff, der sinnfälliger erscheint als die überstrapazierte ›Rezeption‹. Im Wirken und Nachwirken spricht sich eine mittelbare Energie aus, die von einem bestimmten Werk ausgeht und sich auf andere überträgt. Eine ganz ähnliche Funktion kommt Motiven zu, denen sich der dritte Teil annimmt. ›Motiv‹ kann dabei auch der Verstehensprozess selbst sein, selbst jener, der eine ganze Kultur betrifft (Hofmannsthal, Venedig ergründend, Schweitzers Blick auf Indien) oder eine bestimmte Weltsicht (das Absurde). Was Intermedialität ästhetisch bedeutet, verhandeln die Beiträge im vierten Teil an Beispielen der Literarisierung des Musikalischen. Und das abschließende Kapitel fragt nach dem literarischen Weiterwirken einer konkreten Brucherfahrung (1945 und danach), von manchen als »Kahlschlag« bezeichnet, von anderen als Ausdruck einer Selbsttäuschung kritisiert.