Angaben aus der Verlagsmeldung

Stabilität und Ausbildungsbereitschaft von Existenzgründungen im Handwerk / von Klaus Müller


Aus dem Vorwort

Existenzgründungen sind innerhalb wie außerhalb des Handwerks wirtschaftspolitisch erwünscht, weil eine hohe Gründungsdynamik für das Ausnutzen von unternehmerischen Chancen steht. Allerdings ist eine hohe Gründungsquote allein noch kein besonders positives Signal. Wenn Personen ohne wirtschaftliche Erfolgsaussichten einen Betrieb gründen, um lediglich vorhandene Fördermöglichkeiten auszunutzen, dann erfolgen sie meist auf kurze Sicht, bieten keine Beschäftigungschancen und verursachen schließlich häufig auch noch gesellschaftliche Kosten im Zuge der Insolvenz. Derartige Existenzgründungen sind wirtschaftspolitisches Strohfeuer.

Nun ist es schwierig, „gute" von „schlechten" Existenzgründungen ex ante zu unterscheiden. Allerdings lässt sich zeigen, ob bestimmte wirtschaftspolitische Weichenstellungen tendenziell dazu führen, dass die Zahl der instabilen Existenzgründungen ohne Arbeitsplatz- und Ausbildungseffekte zunimmt. Im Betrachtungszeitraum dieser Studie, der von 2001 bis 2012 reicht, haben gleich einige wirtschaftspolitische Weichenstellungen für ein höheres Gründungsgeschehen gesorgt. Dazu zählt die finanzielle Unterstützung von Gründungen aus der Arbeitslosigkeit, vor allem aber die Handwerksrechtsnovelle 2004. Letztere hat jedoch nicht nur dazu geführt, dass mehr Gründungen erfolgen, sondern auch, dass die Überlebensrate in den B1-Handwerker auf das Niveau der handwerksähnlichen Gewerbe abgesunken ist. Etwa 60 Prozent der Existenzgründungen sind nach 5 Jahren wieder vom Markt verschwunden. Ausbildungsleistungen finden in diesen Unternehmen nahezu gar nicht statt.

Vor diesem Hintergrund ist zu fragen, ob der Nutzen einer höheren Zahl von Existenzgründungen wirklich die Kosten überwiegt. Die vorliegende Studie gibt keine abschließende Antwort auf diese Frage. Dafür ist die Datengrundlage auf der Basis der Handwerksrollen immer noch zu wenig umfassend und die Zeitreihe zu kurz. Aber die Studie verbessert die bisherige Datenbasis für Existenzgründungen im Handwerk und zeigt, welche Fragen man an die Daten richten muss. Sie zeigt überdies und das ist die zentrale Botschaft, dass eine - auch nur vorübergehende - Steigerung der Existenzgründungen nicht kostenlos zu haben ist. Ich wünsche der Studie eine breite Rezeption.

Göttingen, im Januar 2014

Prof. Dr. Kilian Bizer
Direktor des Volkswirtschaftlichen Instituts für Mittelstand und Handwerk an der Universität Göttingen