Angaben aus der Verlagsmeldung

«Haltet gut Jontef und seid herzlichst geküsst» : Feldpostbriefe des Elsässer Juden Henri Levy von der Ostfront (1916–1918) / von Karin Huser


Rund sieben Milliarden Feldpostbriefe schickten die Soldaten der deutschen Armee im Ersten Weltkrieg nach Hause. Gut sechzig davon verfasste der junge Elsässer Kaufmann Henri Levy, damals einfacher Soldaten an der Ostfront.
24-jährig wurde Henri Levy in die königlich-preussische Armee eingezogen. An der Ostfront war er in den Jahren 1916–1918 als Krankenwärter im Feldlazarett und als Offizierskoch im Einsatz. Seine Feldpostbriefe an die Eltern im elsässischen Biesheim berichten von den materiellen Bedürfnissen eines Frontsoldaten, den Schwierigkeiten eines traditionell-religiösen Juden im Armeedienst, vom zermürbend-­banalen Kriegsalltag und von der Sehnsucht nach dem familiären Umfeld.
Kurz nach Kriegsende und nach seiner Rückkehr ins Elsass wanderte Levy (1890–1962) in die Schweiz aus. Anfang 1920 fand er im solothurnischen Derendingen im Textilgeschäft seines Schwiegervaters eine neue Existenz. Später übernahm er die Geschäftsführung des Konfektions­geschäfts, das über Jahrzehnte das kleinstädtische Geschäftsleben an der Aare mitprägte. Levy war eines der wenigen des Hebräischen mächtigen Mitglieder der lokalen Israelitischen Kultusgemeinde und wirkte über Jahrzehnte als Vorbeter.
Karin Huser erzählt die Biografie des Protagonisten Levy, gibt einen Einblick in die Situation der Elsässer Juden am Vorabend des Ersten Weltkriegs und beleuchtet die Korrespondenz aus verschiedenen Perspektiven. Alle Briefe und Postkarten sind im Anhang ediert.
Feldpostbriefe und Postkarten bilden als Kontrast zur offiziellen und offiziösen Kriegs­propaganda ein einzigartiges Quellenkorpus. Obwohl inhaltlich und formal zumeist von einer frappanten Gleichförmigkeit, weisen sie aufgrund des sozialen und familiären Umfelds der Briefschreiber dennoch einen stark persönlichen Charakter auf. Die hier edierten Feldpostbriefe sind denn auch wegen ihres jüdischen Bezugs besonders spannend.