Angaben aus der Verlagsmeldung

Die Sprache der Infamie : Literatur und Ehrlosigkeit / von Achim Geisenhanslüke


Die Geschichte der Infamie ist eine Geschichte der Verfemten, derjenigen, die wegen ihres Verstoßes gegen soziale Normen aus der Gesellschaft ausgeschlossen wurden. Die Literatur gibt den Verfemten eine eigene Stimme, mit der sie sich gegen den Ehrverlust zur Wehr setzen können.
Ehrkonflikte spielen seit der Antike eine zentrale Rolle in der Geschichte der Kultur. Wer seine Ehre verliert, sieht seine gesamte Persönlichkeit in Frage gestellt, wird vor den Augen der anderen bloßgestellt und beschämt. Die Literatur bietet die Möglichkeit, dem drohenden Ehrverlust in Form eines Gegendiskurses durch eine souveräne Sprache zu begegnen. Der literarischen Sprache der Infamie geht es um eine Form der Selbstbehauptung, die sich zugleich mit spektakulären Rechtskonflikten überlagert, wie etwa die Geschichte des französischen Staatsfeinds Nr. 1, Jacques Mesrine, zeigt. Prominente Beispiele für die literarische Sprache der Infamie sind der Vagantendichter Villon, der Marquis de Sade, aber auch Schiller, Kafka und Genet. Anhand exemplarischer Analysen ihrer Texte lässt sich eine Geschichte der Infamie entfalten, die bis zur Literatur der Shoa reicht.