Angaben aus der Verlagsmeldung

Der Moses-Komplex : Politik der Töne, Politik der Bilder / von Ute Holl


1974 verfilmten Jean-Marie Straub und Danièle Huillet die Oper Moses und Aron, an der Arnold Schoenberg in den dreißiger Jahren im Exil gearbeitet hatte, zur selben Zeit, wie der ebenfalls exilierte Sigmund Freud an seinem großen Moses-Buch schrieb. Fragen von Gesetzlichkeit und Gewalt, Kunst und Revolte, Geschichtlichkeit und Gedächtnis sind im Moses-Komplex aufgeworfen. Der Moses-Komplex zeigt, wie kulturelles Gedächtnis Gewalt konserviert. Er verhandelt die Kunst der Migration und die Frage, wie Gemeinschaften entstehen vor dem Gesetz und welche Gewalt dabei im Spiel ist. Er bringt musikalische und filmische Verfahren, Bilder und Töne, Texte, Sprachen und Stimmen im Hinblick auf die Frage nach einer Begründung von Gesetzlichkeit zusammen. Insofern ist er ästhetisch und militärisch, epistemologisch und brutal. Psychoanalytisch ist der Moses-Komplex nur als überindividueller zu verstehen, der Geschichtlichkeit an der Wahrnehmung aufspringen lässt. Im Sinne von Freud und Derrida bezeichnet er ein Archiv deutscher Geschichte.