Angaben aus der Verlagsmeldung

Aspekte empirischer Psychologie im 18. Jahrhundert und ihre literarische Resonanz / von Anke Bennholdt-Thomsen, Alfredo Guzzoni


Der Sammelband, der elf sozialgeschichtlich orientierte Studien zur Psychologie des ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts vereint, weist drei Forschungsschwerpunkte auf: 1) die Wahrnehmung der Institution ,Irrenhaus‘ von Reisenden bei den damals üblichen Besichtigungen – bis hin zu Peter Weiss’ Wahl dieses Spielorts in seinem Stück Marat /Sade; 2) die Eigenart und Bedeutung der ersten psychologischen Zeitschrift in Deutschland Gnothi sauton oder Magazin zur Erfahrungsseelenkunde, sowie die Motivation ihres Herausgebers Karl Philipp Moritz, der Seele mittels Selbstbeobachtung auf die Spur zu kommen, 3) das Verfahren der Einbildungskraft in psychischen Zuständen und Vorgängen, die durch die Vernunft nicht kontrollierbar sind, wie etwa im Falle des Versehens der Schwangeren oder des Träumens. Im Rahmen dieses letzten Schwerpunkts bietet der Band eine bisher unveröffentlichte umfangreiche, nach signifikanten Gesichtspunkten geordnete Quellendokumentation zu Traumauffassung von Philosophen, Ärzten, Theologen, Pädagogen u.a.
Hatte die Monographie der Verfasser „Der Asoziale in der Literatur um 1800“ (1979) literarische Texte im Blick, die vor dem allgemeinen Verstehenshorizont der Zeit erhellt wurden, so steht hier umgekehrt der gelehrte Diskurs über abnormes psychisches Verhalten im Vordergrund, wobei jedoch, mehr oder weniger direkt, danach Ausschau gehalten wird, ob und wie die Literatur auf die neuen erkenntnise vom Seelenleben und die entsprechenden methodischen Zugriffe reagierte und davon Gebrauch machte.