Angaben aus der Verlagsmeldung

Platons Spiegel und die Aktualität des Höhlengleichnisses : Angeregt durch Projektionen von Mischa Kuball


Einen Künstler wie Kuball, der sich wie kein zweiter mit dem Licht auseinandersetzt, musste das Höhlengleichnis zur künstlerischen Auseinandersetzung herausfordern. In zugleich einfachen und höchst effektiven Anordnungen mit Projektoren und reflektierenden Silberfolien, Fotografien und Videos schafft Kuball einerseits Räume, die als Gleichnisse der Platon'schen Höhlensituation zu verstehen sind, andererseits übersetzt er in seinen Fotografien und Videos das komplexe Verhältnis von Lichtquelle, Spiegelung, Schattenriss und Abbild in scheinbar endlos zu erweiternde Mediationsstufen, auf denen sich die Wirklichkeit als die Wirklichkeit ihrer Reflexion immer erneut konstituiert.TEXTALTERNATIVEMischa Kuball hält uns in seiner Arbeit Platon´s Mirror das Höhlengleichnis Platons vor Augen. Dabei dient ihm eine aufgespannte Folie als Projektionsfläche. Der frontale Lichteinfall wird über diese bewegliche Oberfläche reflektiert und es entstehen amorphe Flächen, strukturiert durch den Faltenwurf. Assoziationen an eine Landschaft werden unter anderem durch die Horizontlinie geweckt. Der strahlenförmige Faltenwurf im oberen Drittel lässt das Bild einer Sonne entstehen, die in Platons Gleichnissen für "das Gute" steht. Wie in Platons Höhlengleichnis sind Abbilder vorbeiziehender Figuren als Reflexionen wahrnehmbar. Dabei entstehen und wandeln sich farbige Flächen, Konturen und Formen in unterschiedlichen Rhythmen auf einer Fläche, Das Projizierte ist nicht greifbar. Das Darstellende lässt sich nicht auf etwas Dargestelltes beziehen, die Schattenspiele bieten keine eindeutige Interpretationsmöglichkeit. Gezeigt werden Abbilder der Wirklichkeit, Spiegelungen - wie schon im Titel angedeutet. Im doppelten Sinn also parodiert Kuball Wahrnehmungstheorien des 20. Jahrhunderts, die ihren Ursprung im Dualismus der Antike haben. Eine dialektisch-visuelle Demonstration von Medienkritik, Rezeptionsästhetik und medialer Pseudorealität.

Texte von Andreas F. Beitin, Hans Belting, Horst Bredekamp, Bazon Brock, Martina Dobbe, Leonhard Emmerling, Blair French, Ursula Frohne und Christian Katti, Wulf Herzogenrath, Friedrich Kittler, Friedhelm Mennekes, Hans Ulrich Reck, Yukiko Shikata, Peter Sloterdijk, Bernhard Waldenfels, Peter Weibel, John C. Welchman, Duncan White