Angaben aus der Verlagsmeldung

Im Schatten der Ringstraße : Reiseführer durch die braune Topografie von Wien / von Gerald Lehner, Monika Löscher


Der verstoßene Dichter Carl Zuckmayer schrieb, in Berlin sei die Machtübernahme nicht so brutal verlaufen wie in Wien: „Der Aufstand von Neid, Missgunst, Verbitterung und blinder, böswilliger Rache wurde hier entfesselt.“ Hitlers erster Gauleiter in Wien wurde Odilo Globocnik. Der Kärntner setzte später in Polen den Holocaust mit in Gang, dem auch mehr als 200 000 Wiener Jüdinnen und Juden zum Opfer fielen. Reinhard Heydrich, Chef des „Sicherheitsdienstes“, hatte 900 Gestapo-Mitarbeiter/-innen allein in Wien, doppelt so viele wie in seinem Hauptquartier in Prag. Beide Dienststellen waren die größten von ganz Nazideutschland. Das über viele Jahrhunderte souveräne Österreich wurde zur „Ostmark“ degradiert.

Der Oberösterreicher Ernst Kaltenbrunner übersiedelte als Führer des „SS-Oberabschnittes“ von Deutschland nach Wien, wo Himmlers Leute sofort mit der Planung des Konzentrationslagers Mauthausen begannen. Im Frühling 1945 war die Befreiung Ostösterreichs eine der härtesten Aufgaben für die Rote Armee. Die „Schlacht um Wien“ geriet – im Nachkriegsösterreich mit seinen vielen Gedächtnislücken – neben den Verdiensten zahlreicher Wiener Widerstandskämpferinnen und -kämpfer rasch in Vergessenheit. Dieser Reiseführer macht historische Stätten nun begehbar. Viele davon waren bisher der breiten Öffentlichkeit unbekannt.