Angaben aus der Verlagsmeldung

Botenkommunikation und metonymisches Erzählen : Der Parzival Wolframs von Eschenbach / von Sabine Chabr


Parzival, der Artusroman Wolframs von Eschenbach (um 1200), ist seit dem 19. Jahrhundert Gegenstand unzähliger philologischer Forschungsarbeiten. Keine davon hat sich jedoch bisher genauer mit den vielen Botenszenen in diesem Text befasst. Die vorliegende Studie schliesst diese Lücke und betrachtet die Darstellung von Botenkommunikation dabei nicht nur aus der Perspektive der Literatur-, sondern auch der Medienwissenschaft.
In der Botenkommunikation tritt generell eine Eigenheit vormoderner Medien zutage, nämlich eine ausgeprägte Teilhabe an Abwesendem. Literarische Texte wie der Parzival integrieren diese metonymische Struktur der Botenkommunikation in imaginäre Welten und spielen sie auf der Ebene des Dargestellten wie der Darstellung durch. Dabei weist der Parzival in seiner Erzählwelt nicht nur überdurchschnittlich viele, variantenreiche und komplexe Botenszenen auf, es zeigt sich an diesem Text auch eine ausgeprägte Reflexion des Erzählens selbst.
Die Studie gewinnt mit einer Analyse der Botenkommunikation einerseits Einsichten in mediale Erscheinungen der Vormoderne und liefert andererseits wesentliche Erkenntnisse über die Bedeutungskonstitution und Poetik des Parzival. Im Zentrum steht dabei die These, dass im Parzival ‹metonymisch› von der Botenkommunikation erzählt wird und dass diese Erzählweise den Text auch grundsätzlich auszeichnet.