Angaben aus der Verlagsmeldung

Gesellschaftsentwurf Europa : Plädoyer für ein gerechtes Gemeinwesen / von Oskar Negt


Dieses Buch tritt all denen entgegen, die den
Europadiskurs auf ein finanzpolitisches Problem
reduzieren wollen. Oskar Negt gibt sich
nicht mit dem Blick auf Währungskurse, auf
die Urteile von Rating-Agenturen zufrieden. Er
blickt auf Lebens- und Arbeitsverhältnisse der
Menschen in Europa. Was er da allerdings
sieht, ist weit beunruhigender als Börsenentwicklungen
es je sein könnten. Er sieht eine
Kluft zwischen Reichen und Armen, zwischen
politisch Mächtigen und politisch Ruhiggestellten.
Er sieht Menschen, die durch Arbeitsmarktentwicklungen
zur Flexibilität gezwungen
und damit aus allen Bindungen gerissen
werden, die vereinzelt leben, von allen solidarischen,
auch familiären Zusammenhängen abgekoppelt.
Und er sieht eine Bildungspolitik, die
sich nur noch um die Qualifikation für den Arbeitsmarkt
kümmert, nicht jedoch um politische
Urteilskraft. Die aber ist die Voraussetzung für
eine demokratisch verfasste Gesellschaft.
Kinderarmut, Bildungsnotstand, Entdemokratisierung
– über all dies ist bereits geschrieben
und gesprochen worden. Wie Oskar Negt diese
einzelnen politischen Handlungsfelder jedoch
auf europäischer Ebene zusammendenkt, das
macht neues Verständnis möglich, darin liegt
selbst eine Lernprovokation. Und um Lernprovokationen,
um das Lernen schlechthin geht
es Oskar Negt immer. Auch deshalb ruft er
die jahrhundertealten emanzipatorischen und
demokratischen Traditionen Europas wieder
in Erinnerung.
Er richtet sich mit seiner Schrift an Politiker
ebenso wie an die arbeitslose, alleinerziehende
Mutter und die Protestierer in Gorleben und
Stuttgart. Für jeden Einzelnen verständlich,
macht er deutlich, worum es in Europa geht:
um den Erhalt eines friedensfähigen und solidarischen
Gemeinwesens.