Angaben aus der Verlagsmeldung

Hexen und Hexenmeister : Vollständige und getreue Schilderung und Beurteilung des Hexenwesens / von Wilhelm Pressel


Wenn wir heutzutage unsere Mitmenschen fragen würden, worin das Verbrechen der Hexerei eigentlich bestand, so bekämen wir dazu keine deutliche und vollständige Antwort. Wir haben keine Vorstellung und Kenntnis mehr davon und würden nur einzelne Kriterien aufzählen und vermutlich sogar die Hauptsache übersehen. Meist war im Vorwurf der Hexerei ein doppeltes Verbrechen inbegriffen: das Verbrechen der „Zauberei“ und das Verbrechen eines „Bundes mit dem Teufel“.
Natürlich wussten auch die Heiden von der Zauberei – aber der Teufel war ihnen noch unbekannt. Zwar beteten etliche Heidenvölker, wie die Perser, die alten Germanen, Griechen und Römer, neben den guten Göttern auch böse an, nicht nur die himmlischen, sondern zuweilen auch die unterirdischen Götter. Aber diese bösen oder unterirdischen Götter waren nicht das Gleiche wie der Teufel. Auch glaubten die Heiden nicht, dass man mit ihm einen „Bund“ schließen könne, um eine gewisse Zauberkunst zu erlangen.
Im Gegenteil: Die Heiden betrachteten die Zauberei als ein Geschenk ihrer Götter, denn sie geschah zum Heil und Nutzen anderer. Geschah etwas zum Guten, dann sahen sie darin ein Geschenk der guten Götter und geschah etwas zum Schaden und Fluch anderer, so sahen sie darin ein Geschenk der bösen Götter.
Anders die römische Kirche, denn sie leitete im Gegensatz zu den Offenbarungen und Wundern des Glaubens Alles, was sie nicht verstand – oder nicht verstehen wollte – Alles, was sie als übernatürlich und damit als Zauberei betrachtete (egal ob zu guten oder bösen Zwecken) vom Teufel ab. Somit wurden aus den Zauberinnen und Zauberern der Heidenwelt schließlich Hexen und Hexenmeister im Sinne des christlichen Glaubens.