Angaben aus der Verlagsmeldung

Politikwissenschaft: Eine Einführung


Diese Einführung ist aus langjährigen Lehrerfahrungen entstanden. Sie gibt einen studien- und problemorientierten Überblick über die zentralen Fragestellungen und Themenfelder der Politikwissenschaft. Behandelt werden: Historische Entwicklung und aktueller Stand des Faches, seine theoretischen und methodischen Grundlagen und - ausführlich - die einzelnen Disziplinen der Politikwissenschaft. Das zunehmend wichtige Themenfeld Internet erhält einen eigenen, neuen Beitrag. Darüber hinaus enthält der Band zahlreiche hilfreiche Hinweise für eine erfolgreiche Organisation des Studiums: Er informiert über Studienabschlüsse und Qualifikationen, über die Anlage und Gestaltung von wissenschaftlichen Arbeiten und über Berufsfelder für Politologen und ihre Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt.
INHALTSVERZEICHNIS:
Vorwort 15
Abkürzungsverzeichnis 21
I. Einführung und Überblick 25
Manfred Mols: Politik als Wissenschaft: Zur Definition,
Entwicklung und Standortbestimmung einer Disziplin 25
1. Einleitung 25
2. Politik und Politikwissenschaft: Eine Begriffsbestimmung 26
3. Eigenheiten politikwissenschaftlichen Denkens:
Grundfragen und Voraussetzungen 31
3.1 Selektion und Abstraktion: Der Beginn
(politik)wissenschaftlichen Arbeitens 31
3.2 Einflussfaktoren auf den politikwissenschaftlichen
Auswahl- und Arbeitsprozess 32
3.2.1 Traditionen, geistige Strömungen und Ordnungsbilder 32
3.2.2 Impulse aus der vorwissenschaftlichen Welt 33
3.2.3 Der wünschbare Praxisbezug politikwissenschaftlichen
Denkens und einige seiner Implikationen 34
3.2.4 Die epochale Einbindung politikwissenschaftlichen Denkens 36
3.2.5 Konkrete Vorarbeiten und soziale Einbindung 37
3.2.6 Anthropologische Prämissen 38
4. Phasen der Entwicklung des Faches 40
4.1 Die ältere staatsphilosophische Lehre von der Politik 40
4.2 Die Entwicklung der modernen Politikwissenschaft in Deutschland und den USA 42
5. Einheit oder Divergenz der Politikwissenschaft? 47
5.1 Strömungen und Schulen 47
5.2 Ein mögliches Profil von Politikwissenschaft 52
5.3 Die Gefahr der Zersplitterung 58
5.4 Die Zusammenarbeit mit Nachbardisziplinen 60
6. Bleibende Fragestellungen, Probleme, Zukunftsperspektiven 62
Annotierte Auswahlbibliografie 64
Grundlagen- und weiterführende Literatur 65
II. Disziplinen und Schwerpunkte der Politikwissenschaft 67
Karl-Rudolf Korte: Das politische System der Bundesrepublik Deutschland 67
1. Gegenstandsbestimmung, Entstehungsgeschichte, Fragestellungen 67
2. Systematische Zugänge bei der Analyse des politischen Systems 75
2.1 Die politische Struktur: Ordnungspolitische und institutionelle Ansätze 75
2.2 Der politische Prozess: Steuerungs- und Entscheidungsanalysen 76
2.3 Politische Inhalte: Politikfelder und soziokulturelle
Bedingungen des politischen Systems 78
2.4 Die politische Kommunikation: Informelle und
mediale Komponenten des Regierens 79
3. Institutionen und Akteure: Das parlamentarische Regierungssystem 80
4. Bürger und Staat 85
4.1 Politische Willensbildung, Parteien und politische Kultur 85
4.2 Einstellungswandel und Transformationsprozess 91
5. Das politische System vor neuen Herausforderungen 93
Annotierte Auswahlbibliografie 96
Grundlagen- und weiterführende Literatur 97
Peter Birle/Christoph Wagner: Vergleichende Politikwissenschaft:
Analyse und Vergleich politischer Systeme 99
1. Einleitung 99
2. Vergleichsansätze in historischer Perspektive 101
2.1 Vergleichende Regierungslehre 101
2.2 Von der Vergleichenden Regierungslehre zur Vergleichenden Politischen Systemforschung 103
2.3 Politische Systemforschung 105
2.4 Von der Politischen Systemtheorie zum ,Neo- Institutionalismus' 109
3. Ausgewählte Konzepte der Vergleichenden Politikwissenschaft 114
3.1 Regierungssysteme 117
3.2 Interessengruppen 119
3.3 Politische Kultur 122
3.4 Systemwechsel- und Transformationsforschung 125
4. Bilanz und Perspektiven 129
Annotierte Auswahlbibliografie 132
Grundlagen- und weiterführende Literatur 133
Hans-Joachim Lauth/Ruth Zimmerling: Internationale Beziehungen 135
1. Grundfragen, praktische Relevanz und Begrifflichkeit 135
1.1 Grundfragen 135
1.2 Zur praktischen Relevanz der Teildisziplin 137
1.3 Grundbegriffe 142
2. Veränderungen in Theorie und Praxis:
Theorieansätze, Schulen und das internationale System 145
2.1 Von der Konstituierung zur Etablierung der Teildisziplin 146
2.2 Konzeptionelle Differenzierung in den Internationalen
Beziehungen: Revision und Kontinuität 153
3. Friedenssicherung zwischen Konflikt und Kooperation 160
4. Aktuelle Debatten und Perspektiven 165
Annotierte Auswahlbibliografie 171
Grundlagen- und weiterführende Literatur 172
Inhaltsverzeichnis 7
Michael Becker: Klassische und moderne politische Philosophie 175
1. Einleitung 175
2. Die Legitimität demokratischer Herrschaft 177
2.1 Zur Frage der Herrschaftsorganisation: Gewaltenteilungs- und
Repräsentationsprinzip 179
2.2 Die politische Philosophie des Gesellschaftsvertrags
und die (Grenzen der) Volkssouveränität 182
3. Politische Anthropologie: Die "Natur" des homo politicus 188
4. Ökonomie und politische Philosophie 192
5. Gemeinschaft vs. Gesellschaft oder Kommunitarismus vs. Liberalismus 197
6. Zusammenfassung und Ausblick 202
Annotierte Auswahlbibliografie 205
Grundlagen- und weiterführende Literatur 207
Peter Thiery: Moderne politikwissenschaftliche Theorie 209
1. Der Gegenstand der Teildisziplin 209
2. Makroebene: Struktur- und Systemtheorien 213
2.1 Staat und ,alter' Institutionalismus 214
2.2 Politische Systemtheorie 217
2.3 Verwendung und Reichweite von Strukturmodellen 222
3. Mikroebene: Handlungs- und Akteurstheorien 227
3.1 Spektrum, Anliegen und Karriere mikrotheoretischer Modelle 227
3.2 Theorien rationaler Entscheidung (Rational Choice) 230
3.3 Zur Reichweite mikrotheoretischer Erklärungsmodelle 236
4. Entwicklungslinien und Perspektiven 240
4.1 Zur Verknüpfung von Makro- und Mikroebene 240
4.2 Perspektiven 244
Annotierte Auswahlbibliografie 246
Grundlagen- und weiterführende Literatur 246
Peter Imbusch/Hans-Joachim Lauth:Wirtschaft und Gesellschaft 249
1. Fragen und Grundbegriffe 249
2. Konzeptionen 255
2.1 Klassische Positionen der Politischen Ökonomie 255
2.2 Wirtschaftspolitische Kontroversen im 20. Jahrhundert 260
3. Grundlegende Problembereiche der Gegenwart 265
3.1 Globalisierung 265
3.2 Ökologie, Wirtschaft und Gesellschaft 274
3.3 Arbeitslosigkeit und ihre Überwindungsmöglichkeiten 279
4. Perspektiven 284
Annotierte Auswahlbibliografie 285
Grundlagen- und weiterführende Literatur 286
Jörg Faust/Hans-Joachim Lauth: Politikfeldanalyse 289
1. Einleitung 289
2. Einflussfaktoren auf Politikfelder: Theoretische Ansätze 292
3. Politische Steuerung und Policy-Forschung 301
4. Fazit und Perspektiven der Forschung 311
Annotierte Auswahlbibliografie 312
Grundlagen- und weiterführende Literatur 313
Ulrich Eith/Gerd Mielke: Wahlforschung: Zur Bedeutung
und Methodik empirischer Sozialforschung in der Politikwissenschaft 315
1. Einleitung 315
2. Zur Einordnung der Wahlforschung in die Politikwissenschaft 316
3. Theoretische Erklärungsmodelle des Wählerverhaltens 322
3.1 Der soziologische Erklärungsansatz 325
3.2 Der individualpsychologische Erklärungsansatz 328
3.3 Das Modell des rationalen Wählers 330
3.4 Wählerverhalten und Lebensstil 333
3.5 Auf dem Weg zu einer allgemeinen Theorie des Wählerverhaltens? 336
4. Zur politischen und öffentlichen Wirkung der Wahlforschung 338
Annotierte Auswahlbibliografie 342
Grundlagen- und weiterführende Literatur 343
Klaus Bodemer: Entwicklungstheorien und Entwicklungspolitik 345
1. Einleitung 345
2. Entwicklung: Problematisierung eines Begriffs 346
3. Modernisierungstheorien: Die Anfänge der politikwissenschaftlichen
Entwicklungsforschung 350
3.1 Der Ausgangspunkt: Entwicklung als ökonomisches
Wachstum und sozialer Wandel 350
3.2 Modernisierung als politische Entwicklung 351
3.3 Kritik an den Modernisierungstheorien 352
4. Entwicklung und Abhängigkeit: Dependenztheorien 354
4.1 Schlüsselbegriffe 356
4.2 Überwindungsstrategien 358
4.3 Kritik an den Dependenztheorien 358
4.4 Auswirkungen auf die Entwicklungspolitik 359
5. Zwischen Binnendifferenzierung und Reintegrationsversuchen
- Neue Akzentsetzungen seit der Dritten Entwicklungsdekade 360
Annotierte Auswahlbibliografie 367
Grundlagen- und weiterführende Literatur 368
Hans-Joachim Lauth/Manfred Mols/Christian Wagner:
Politische Bildung und Politikwissenschaft 373
1. Einleitung 373
2. Konzeptionen im Wandel: Zur Geschichte der
politischen Bildung in der Bundesrepublik Deutschland 374
3. Praxisfelder der politischen Bildung 381
3.1 Träger außerhalb von Schule und Universität 381
3.2 Politische Bildung als Tätigkeitsfeld für Politikwissenschaftler 384
4. Anmerkungen zu einem aktuellen Profil politischer Bildung 385
5. Die Bedeutung der Politikwissenschaft für die
politische Bildung 388
Annotierte Auswahlbibliografie 392
Grundlagen- und weiterführende Literatur 393
III. Methoden und Arbeitsweisen 395
Christian Welzel:Wissenschaftstheoretische und methodische Grundlagen 395
1. Einleitung 395
2. Wissenschaftstheorie 396
2.1 Die verstehend-historiographische Position 397
2.2 Die erklärend-analytische Position 401
2.3 Zwischenbilanz 404
3. Methodenlogik 407
3.1 Die Logik von Variablenbeziehungen 407
3.1.1 Quantitative und qualitative Variablen 409
3.1.2 Deterministische Variablenlogik 410
3.1.3 Probabilistische Variablenlogik 412
3.1.4 Kausale Variablenlogik 416
3.2 Die Forschungspraxis 421
3.2.1 Operationalisierung des Untersuchungsplans 421
3.2.2 Informationsquellen 422
3.2.3 Erhebungsverfahren 423
3.2.4 Analyseverfahren 424
4. Schlussbemerkungen 427
Annotierte Auswahlbibliografie 429
Grundlagen- und weiterführende Literatur 429
Christoph Wagner: Die Praxis wissenschaftlicher Arbeit 431
1. Einleitende Gedanken zur universitären Realität 431
2. Auf dem Weg zur Niederschrift 434
2.1 Mögliche Hürden 436
2.2 Zur praktischen Vorgehensweise 438
3. Anlage, Form und Gestaltung einer wissenschaftlichen Arbeit 449
3.1 Aufbau und formale Standards 449
3.2 Stilfragen 458
4. Zum - hoffentlich guten - Schluss 461
Annotierte Auswahlbibliografie 463
Grundlagen- und weiterführende Literatur 464
Martin Hauck/Wolfgang Muno: Internet und Politik 467
1. Einleitung 467
2. Politik und Internet: Herausforderungen für die Politikwissenschaft 470
3. Internet und Studium 478
4. Resümee und Ausblick 484
Literatur 485
IV. Berufsperspektiven 487
Christian Wagner: Politikwissenschaft und Arbeitsmarkt 487
1. Einleitung 487
2. Die Verbleibsstudien: Wo sind sie geblieben? 488
3. Berufsfelder für Politikwissenschaftler . . . . . . . . . . . 493
4. Studium und Beruf: Abschlüsse und Qualifikationen 497
4.1 Ausgangslage und Probleme 497
4.2 Die Abschlüsse 498
4.3 Fachliche Qualifikationen und Zusatzkenntnisse 499
4.4 Praxiserfahrungen 501
4.5 Schlüsselqualifikationen 503
5. Vom Studium in den Beruf 504
5.1 Die Stellensuche 504
5.2 Traineeprogramme 505
5.3 Die Promotion 506
5.4 Weiterführende Studienangebote 507
6. Politikwissenschaft und Arbeitsmarkt: Perspektiven 507
Grundlagen- und weiterführende Literatur 508
V. Anhang 511
Zeitschriftenverzeichnis 511
Sachregister 513
Personenregister 523
Autorenverzeichnis 527
EXCERPT:
1. Einleitung
Die Politikwissenschaft ist in vielen Ländern der Welt zu einem
selbstverständlichen, geschätzten Universitätsfach geworden. Die
jüngste regionale Erweiterung der Disziplin ist die Gründung der ab
2001 angelaufenen Asian Political and International Studies Association
APISA, die im November 2003 in Singapur ihren Gründungskongress
abhalten konnte. Der Kongressband deutet schon im Titel
Aktualität und Zukunftsperspektiven an: "Asia in the New Millennium".
1 Wer die Geschichte der nordamerikanischen Politikwissenschaft
oder gar die schwierige, von vielen innerakademischen Anfechtungen
begleitete (Neu)Gründung des Faches in Westdeutschland
nach 1950 kennt, wird in seiner weltweiten Entwicklung die Bestätigung
seines Ranges in der modernen Wissenschaftslandschaft sehen.
Bei allem Aufstieg sind auch Probleme geblieben, die um das
Selbstverständnis, um den Gegenstand und die konkrete Stellung
der Politikwissenschaft im Fächergefüge des Universitätswesens
kreisen, um das Spannungsverhältnis von Politik als Wissenschaft
und Politik als praktische Gestaltung des Gemeinwesens und seiner
internationalen Bindungen. Dies und einiges mehr so anzudiskutieren,
dass der heutige Studienanfänger ein eigenes Verhältnis
zur Art und Weise politikwissenschaftlichen Denkens erhält, ist
Anliegen dieses einleitenden Beitrages. Er ist für Studierende geschrieben
und soll hinführen zur Politikwissenschaft; er dient nicht
der Teilnahme an einem seit Jahren immer komplizierter gewordenen
Disput zwischen etablierten Politologen.
Ein Teil der vorhin angedeuteten Reibungen an der Politikwissenschaft
bezieht sich in erster Linie auf die deutsche Universität,
1 Amtiva Acharva / Lee ai To (eds.): Asia in the New Millennium, London
u.a.2004.
genauer gesagt auf jene deutsche Universität, die nach der Zäsur
des Nationalsozialismus fast ängstlich darauf bedacht war, ein in
vielen Bereichen verlorengegangenes oder bedrohtes Profil zurückzugewinnen
und die damals glaubte, sich keine Experimente
mit ,neuen' Fächern leisten zu können. Ein anderer Teil, wie etwa
das, was sich auf die ,Natur' des Faches oder auf seine praktische
Anwendbarkeit bezog, ist auch international diskutiert worden und
gehört weiterhin in die internen Dispute und Dialoge der Disziplin.
Allerdings: In jenen einleitend genannten fünfziger Jahren hätte
ein Student weder in den USA noch in anderen westlichen Ländern
nennenswerte Akzeptanzprobleme des Faches political
science gespürt. In Kanada beispielsweise wurde bereits 1888 die
erste politikwissenschaftliche Professur eingerichtet. Ebenso war
es in Europa schon vor dem Ersten Weltkrieg (1912) zu einem ersten
Lehrstuhl in Oxford gekommen.2Wie rasant der internationale
Aufstieg des Faches war, zeigt sich darin, dass man bereits im
Jahre 1900 an etwa einem halben Dutzend amerikanischer Universitäten
einen politikwissenschaftlichen Doktorgrad erwerben konnte.
Um 1903 gab es in Nordamerika schon rund 1.000 political scientists.
Und doch sind diese Andeutungen nur die halbe Wahrheit. Politikwissenschaft
ist weitaus älter und ungleich traditionsgeladener
als hier angeführt.