Angaben aus der Verlagsmeldung

Balduinstein : Bau der Lahntalbahn - Verlust der Stadtrechte - Weinbau in Balduinstein / von Willi Bode


Balduinstein, benannt nach Erzbischof Balduin von Trier, blickt auf eine ereignisreiche Geschichte zurück. Obwohl die heutige 600-Seelen-Gemeinde niemals die Größe oder Bedeutung einer Stadt erlangte, verlieh ihr der Erzbischof 1321 Stadtrechte, die erst mehr als 550 Jahre später wieder verloren gingen. Auslöser der Verleihung war eine Auseinandersetzung mit dem Grafen von Westerburg, in deren Verlauf Balduin eine Trutzburg anlegen ließ und durch zahlreiche Maßnahmen versuchte, seinen Einfluss in der Region zu festigen.

Die nachhaltigste Veränderung für Balduinstein stellte jedoch die 1863 unter nassauischer Herrschaft fertiggestellte Lahntalbahn dar. Von diesem Zeitpunkt an war die bisher abgelegene kleine Lahnsiedlung an die Hauptverkehrswege angebunden.

Bereits am 5. Juli 2012 jährt sich zum 150sten Male die Inbetriebnahme des Teilstücks von Nassau bis Limburg. Der Bau der Bahnstrecke war für die Bewohner der Region ein bedeutender Eingriff in ihren jahrhundertlang weitgehend unversehrten Lebensraum. In der Begegnung mit den zahlreichen fremden Bauarbeitern erkannten sie eine ernsthafte Bedrohung ihrer bescheidenen Existenz. Sie reagierten ängstlich auf dieses Zusammentreffen und sahen in den ins Lahntal gekommenen Arbeitern überlegene Konkurrenten, die das Wenige was sie zum Leben hatten, schmälern oder ihnen gar entziehen konnten.

Zahlreiche Rückblicke, Illustrationen, amtliche Bekanntmachungen sowie eine Liste der Löhne und Preise aus den Jahren 1859 - 1862 schildern das von bitterer Armut geprägte dörfliche Leben und die Angst der Einheimischen vor den fremden Eisbahnarbeitern. Begleitet werden die Ausführungen von Hinweisen auf Abbrüche von Wohnhäusern, die schwierigen Arbeitsbedingungen beim Tunnelbau und den Bau des mächtigen, das Dorf vor der Lahn trennenden Bahndammes.

Der dritte Beitrag dieses Buches widmet sich dem Weinbau in Balduinstein. Noch immer finden sich dort an den steilen Lahnhängen die (zum Teil erstaunlich gut erhaltenen) Überreste der in mühsamer Handarbeit errichteten Mauern von Weinbergterrassen.

Um die Lebensumstände zu verdeutlichen, unter denen der Weinbau in Balduinstein im Mittelalter und in der frühen Neuzeit stattfand, erläutert der Autor die damalige Bedeutung des Weines als Konsum- und Handelsgut sowie als einziges keimfreies und lagerfähiges Volksgetränk und Grundnahrungsmittel. Dabei geht er auf Besitzverhältnisse, Bewirtschaftungs- und Verhaltensregeln sowie die Entwicklung des Weinbaus vom ersten Nachweis bis zur Aufgabe der letzten Parzelle ein.