Angaben aus der Verlagsmeldung

Das Libretto : Theorie und Geschichte einer musikoliterarischen Gattung / von Albert Gier


Ohne Libretto keine Oper: Der Text ist die Grundlage, die Musik und Theater erst möglich macht. Gute Libretti – sie sind zahlreicher, als gängige Vorurteile wahrhaben wollen – wie schlechte sind Teil der Literatur, denn sie bestehen aus Wörtern, nicht aus Tönen. Dieses Buch ist die erste umfassende Untersuchung zum Operntext aus literaturwissenschaftlicher Perspektive; repräsentative, eingehend besprochene Beispiele stehen für wesentliche Stationen der rund 400-jährigen Geschichte der Oper. So werden einerseits Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern und epochentypische Entwicklungen deutlich, andererseits zeichnet sich eine in ihren Grundzügen erstaunlich konstante Dramaturgie ab, die für Opern- wie Operettenlibretti, Musikdramen im Sinne Wagners und sogenannte Literaturopern gleichermaßen verbindlich ist. Während im klassischen Drama die Verkettung der Geschehnisse und Situationen entscheidend ist, sind im Libretto (ähnlich wie z.B. im Epischen Theater Brechts) die Einzelelemente (Musiknummern, Szenen, Bilder ...) weitgehend selbständig; die Zeit fließt nicht gleichförmig, sie kann angehalten (oder beschleunigt) werden. Die Textstruktur ist von Kontrasten zwischen Figuren, Situationen, Ideen o.ä. geprägt. Im kürzeren allgemeinen Teil dieses Buches werden die wesentlichen Merkmale des Librettos und sein Platz im System der literarischen Gattungen bestimmt und die Tendenzen der Libretto-Forschung und Perspektiven künftiger Arbeit aufgezeigt. Der umfangreichere historische Teil stellt in 19 Kapiteln wesentliche Entwicklungen von 1598 bis zur Gegenwart vor allem in Italien, Frankreich und Deutschland, aber auch in England und den osteuropäischen Ländern dar; ein Kapitel ist der Operette gewidmet. Genauer analysiert werden mehr als vierzig Libretti, darunter zahlreiche Werke des gängigen Opernrepertoirs.