Angaben aus der Verlagsmeldung

Die Casting-Gesellschaft. Die Sucht nach Aufmerksamkeit und das Tribunal der Medien


Kann jeder ein Star werden? Casting-Shows versprechen es, aber wie sieht die Realität aus? Wie funktioniert das Geschäft mit Medienimages? Wer legt die Rollen fest, wer schreibt das Drehbuch? Mit Siegern und Verlierern, mit Machern und Strategen aus der Welt der Casting- und Reality-Shows sprachen Studierende der Universität Tübingen. Ihr Ziel: Herauszufinden, was vor und hinter den Kulissen passiert und wohin eine Gesellschaft driftet, in der die Selbst-Inszenierung zur Lebensform wird.Unter der Projektleitung von Bernhard Pörksen, Professor für Medienwissenschaft an der Universität Tübingen und Wolfgang Krischke, Journalist und Sprachwissenschaftler, haben die Studierenden Casting-Kandidaten und Produzenten, Moderatoren, Models und Manager, TV-Chefs, Reality-Show-Teilnehmer, PR-Profis und Politiker interviewt. Sie haben mit Profiteuren des Geschäfts ebenso gesprochen wie mit dessen Opfern, mit den Akteuren der Show sowie mit ihren schärfsten Kritikern.Ex-Ministerpräsidentin Heide Simonis schildert ihre Schritte auf dem Parkett von Let’s Dance, der Musikmanager Thomas Stein gibt Einblick in die Mechanismen von Deutschland sucht den Superstar. RTL-Moderatorin Inka Bause erzählt die Geschichte hinter den Geschichten von Bauer sucht Frau, TV-Komödiantin Anke Engelke spricht über ihre Erfahrungen als Casting-Jurorin. Der Rock-Musiker Markus Grimm beschreibt den kurzen Aufstieg und harten Fall eines Casting-Show-Siegers. Regisseur Dieter Wedel bricht eine Lanze für das Qualitätsfernsehen in den Zeiten der Kommerzialisierung. Tom Sänger, Unterhaltungschef von RTL, kritisiert die Kritiker der Casting- und Reality-Sendungen. Der Schönheitschirurg Werner Mang rwarnt vor Modelshows als Einstiegsdroge in den Schönheitswahn. Der Medienanwalt Christian Schertz lenkt den Blick auf die Diffamierungsopfer und der Philosoph Norbert Bolz erklärt, warum er Casting-Shows für eine Schule der sozialen Intelligenz hält. Das Model Fiona Erdmann beschreibt die manipulierten Zickenkriege bei Germany’s Next Topmodel, Sternekoch Christian Rach redet über Realität und Inszenierung in seiner Restaurant-Show und der Netzexperte Sascha Lobo erklärt, wie man unter den neuen Medienbedingungen Aufmerksamkeit erzeugt.Casting- und Reality-Sendungen gehören zu profitabelsten und zugleich umstrittensten Formaten im deutschen Fernsehen. Zwischen Karriereversprechen und (Selbst-)Entblößung, Authentizität, Manipulation und Tabubruch erstreckt sich ein konflikthaltiges Feld, in dem genaues Fragen nicht selten als Angriff gewertet wird. Manche Gespräche scheiterten, wurden abgebrochen oder nicht zur Veröffentlichung freigegeben – sie kollidierten zu sehr mit dem Selbstbild der Befragten und ihrer Vorstellung vom Interview als imagefördernder Plauderei. Die Studierenden ließen sich von solchen Erfahrungen nicht entmutigen. Dass ihre Beharrlichkeit sich gelohnt hat, zeigen die 26 Gespräche, die in diesem Buch abgedruckt sind: Sie spiegeln sehr persönliche Erfahrungen, Beobachtungen und Analysen – allesamt tiefenscharfe Momentaufnahmen, die sich wie im Kaleidoskop zu einem facettenreichen Bild der Casting-Gesellschaft zusammenfügen.