Angaben aus der Verlagsmeldung

Schmuck der sächsischen Kurfürsten um 1600 : Untersuchung zum Umgang mit Schmuck und dessen Funktionen im Rahmen fürstlicher Repräsentation und Kommunikation / von Chrsitine Nagel


Die vorliegende Forschungsarbeit zum „Schmuck der sächsischen Kurfürsten um 1600“ stellt ein wenig geläufiges Gebiet der Kunstgeschichte in den Mittelpunkt. Die in der Öffentlichkeit von einem Herrscher getragenen wertvollen Schmuckstücke verkörperten eindrucksvoll die Macht und den Reichtum des jeweiligen Fürstenhauses, so auch des kursächsischen. Schwere goldene Ketten, farbig emaillierte und mit Edelsteinen besetzten Anhänger, Fingerringe, Armbänder, Hutbänder und kleinen Juwelen auf der Kleidung hoben den Herrscher sichtbar aus der Menge der übrigen Menschen heraus und verliehen ihm das Ansehen eines höheren Wesens.
Zu dieser sichtbar repräsentativen Funktion des Schmuckes kamen weitere Bereich hinzu, die heute nur noch anhand von schriftlichen Quellen nachvollziehbar sind. Dazu gehören beispielsweise die Ausstattung einer Fürstentochter bei deren Verheiratung, fürstliche Begräbnisse, der Geschenkaustausch zwischen den Höfen, die Gratifikationen an den eigenen Hofstaat und die Verdeutlichung politischer Haltungen mithilfe von Juwelen. Während jedoch dem Bereich der fürstlichen Selbstdarstellung am Beispiel der zeitgenössisch modischen Kleidung, der künstlerischen Silberschmiedearbeiten, des Sammeleifers und dem Einrichten von Kunstsammlungen bereits in großen Ausstellungen Aufmerksamkeit zu Teil wurde, ist die Schmuckkunst eher vernachlässigt. Das liegt vor allem daran, dass sich von der großen Zahl jener kleinen Juwelierarbeiten nur – gemessen am ehemals vorhandenen Bestand – ein verschwindend geringer Teil erhalten hat.
Vom umfangreichen Schmuck des sächsischen Kurfürstenhauses sind über die Jahrhunderte hinweg glücklicherweise einige höchst qualitätsvolle Kleinode, Ketten und Ziergürtel im Grünen Gewölbe in Dresden, der einstigen Schatzkammer, aufbewahrt worden. Diese erhaltenen Juwelen des 16. und 17. Jahrhunderts, die belegte Provenienz der Kleinodien im Grünen Gewölbe seit 1725, die umfangreichen Quellen im Sächsischen Hauptstaatsarchiv, darunter Bestellungen und Goldschmiederechnungen sowie Schmuckinventare, ließen den Dresdner Hof für eine tiefergehende Studie zum Umgang und der Rolle jener filigranen Kunstwerke im höfischen Kontext ideal erscheinen. Im Laufe der Arbeit gelang es, mehrere der Kleinode des Grünen Gewölbes in zeitgenössischen Inventaren des späten 16. und beginnenden 17. Jahrhunderts nachzuweisen. Von größter Wichtigkeit ist hierbei das unverhofft entdeckte 1591 angelegte Nachlassverzeichnis des Schmuckes von Kurfürst Christian I., welches die stets vermutete Herkunft von mehreren Schmuckstücken im Grünen Gewölbe aus dem Besitz der Kurfürstin Anna eindeutig belegt.

Auf der Basis zahlreicher erstmals ausgewerteter Inventare, Korrespondenzen und Rechnungen konnte ein erstaunlich vielschichtiges Bild von der Präsenz und der enormen Bedeutung des Schmuckes am sächsischen Hof um 1600 gezeichnet und damit die Grundlage für tiefergehende stilgeschichtliche Einzeluntersuchungen gelegt werden.