Angaben aus der Verlagsmeldung

Strafjustiz im Sudetengau 1938-1945 / von Freia Anders


In ihrer regionalen Fallstudie zur Justizgeschichte des Nationalsozialismus analysiert Freia Anders die Spezifika des Reichsgaus Sudetenland bei der Umsetzung nationalsozialistischen Strafrechts. Sie nimmt damit eine Region in den Blick, die in der (rechts)historiographischen Wahrnehmung bisher im Schatten des „Protektorats Böhmen und Mähren“ stand. In Auseinandersetzung mit der Herrschaftssoziologie Max Webers vertritt Anders die These, dass sich in der Strafrechtspflege im Sudetengau eine Gemengelage zwischen bürokratischem und charismatischem Herrschaftstypus manifestiert hat. Die Autorin zeichnet mithilfe quantitativer Methoden ein differenziertes Bild der Akzeptanz des nationalsozialistischen Strafrechts in der Bevölkerung, der reichsdeutschen Personalpolitik gegenüber Richtern und Staatsanwälten sowie der institutionellen Arbeitsteilung zwischen ordentlicher und Sondergerichtsbarkeit. Eine Urteilsanalyse verdeutlicht anhand der wichtigsten Fallgruppen nicht nur die hohe Selektivität, sondern auch die regionalen Unterschiede nationalsozialistischer Strafverfolgung. Die umfangreichen Gerichtsakten konnten von der Autorin erstmals erschlossen werden. Dieses Material bietet auch die Grundlage für eine Datensammlung, die dem Leser auf CD zusätzlich zur Verfügung gestellt wird.