Angaben aus der Verlagsmeldung

Was war die DDR? : Die Geschichte eines anderen Deutschlands / von Rolf Hosfeld


Zum Jahrestag des Mauerfalls: Ein Nachruf auf Ulbrichts und Honeckers Deutschland. Es war einmal ein zweiter deutscher Staat, der vor zwanzig Jahren in seine finale Krise geriet. Dann fiel die Mauer über Nacht, doch die plötzliche Freiheit hinterließ gespaltene Erinnerungen. Zeit für eine Bestandsaufnahme.
Was im Herbst 1989 zu Ende ging, begann für viele als heroischer Aufbruch in irritierten Zeiten. Doch der hatte seine eigenen Irritationen. Johannes R. Becher verfolgte schon in den Anfangsjahren der Albtraum eines Turms von Babel, der plötzlich im Sturz zu nichts zerfällt. Franz Fühmann beklagte die Verführung des DDR-Antifaschismus zu ausgelöschtem Willen, zu freiwilliger Unterwerfung unter die Diktatur. Die DDR war nur als ein gewaltsamer Traumtanz möglich. Eigentlich war sie ein "unmögliches Projekt", ein Aufstand gegen die Wirklichkeit, eine politische Fiktion. Kaum war Stalin gestorben, erhielt sie am 17. Juni 1953 ihren ersten Todesstoß. Der Rest waren Reparaturarbeiten, bis zum Schluss.
Walter Ulbricht musste eine Mauer bauen, um seine sozialistische Mustermesse zu retten. Doch ausgerechnet er, der in den ersten Jahren erheblich zu einem Klima der permanenten Säuberung, der Verfolgung politisch Andersdenkender und der anhaltenden Krise beigetragen hatte, war im Alter zu bemerkenswert realistischen Einsichten fähig. Glaubte er noch an die Zukunft seiner Utopie? Die Politik seiner letzten Jahre ist ein Indiz dafür, dass die DDR im Systemwettbewerb nur um den Preis ihrer Selbstaufgabe hätte punkten können. Dieser Widerspruch war zugleich die Grundformel ihrer inneren Reformunfähigkeit. Erich Honecker versuchte, dem durch eine Politik des ungedeckten Schecks zu entkommen - auch das ein Traumtanz mit absehbarem Ende.
Rolf Hosfeld hat in erzählerischem Duktus einen spannenden Essay geschrieben, nachdenklich und amüsant zu lesen.