Angaben aus der Verlagsmeldung

Ungerechtigkeiten : Zum subjektiven Ungerechtigkeitsempfinden am Arbeitsplatz Injustices. l'expérience des inègalités au travail / von François Dubet


Der französische Soziologe François Dubet befragte in einer groß angelegten empirischen Studie Menschen aus unterschiedlichen Berufen – Landwirte, Lehrer, Krankenhauspersonal, leitende Angestellte, Dozenten oder Taxifahrer – nach ihrem subjektiven Empfinden von Ungerechtigkeiten am Arbeitsplatz.
Seine Untersuchung beantwortet eine zentrale Frage, die unser Alltagsleben und unsere öffentlichen Debatten beherrscht: Welche in der Arbeitswelt auftretenden Ungleichheiten werden für ungerecht gehalten?
Die durch Interviews und Fragebogen erhobenen Daten bilden die Grundlage der Studie, deren einleitendes Kapitel entlang den Begriffen »Gleichheit«, »Leistung« und »Autonomie« den theoretischen Rahmen zur analytischen Auswertung der Ergebnisse liefert. Dabei entfaltet der Autor sein Verständnis von konkurrierenden Gerechtigkeitsvorstellungen, die sich einerseits im jeweiligen sozialen Raum (in diesem Fall am Arbeitsplatz) überschneiden, miteinander in Konflikt treten oder zumindest Anlass für wechselseitige Kritik bieten, die andererseits aber auch zu punktuellen und/oder lokalen Kompromissformen führen können.
In der anschließenden Darstellung seiner empirischen Ergebnisse wechselt François Dubet zwischen Erfahrungsberichten und Zeugnissen aus den Interviews und Fragebogen und seinen eigenen Resümees und soziologischen Inter-pretationen. Durch diesen Wechsel zwischen den Äußerungen der befragten Arbeitnehmer und der Stimme des Sozialwissenschaftlers bietet diese Studie eine besondere Möglichkeit, die Wahrnehmung von Ungerechtigkeit nachzuempfinden und ihre Entstehung zugleich analytisch zu begreifen. Das Ergebnis sind vielschichtige Antworten auf Fragen wie diese: Warum fühlen wir uns missachtet? Warum halten wir uns für Opfer einer prekären Lebens- oder Beschäftigungssituation? Warum fühlen wir uns ausgebeutet und sehen in anderen die Nutznießer von Privilegien? Hier kondensiert sich das Gerechtigkeits- und vor allem das Ungerechtigkeitsempfinden zu einem bisweilen beklemmenden Gefühl des menschlichen Leidens. Wer gegen Ungerechtigkeit protestiert, macht damit deutlich, was Gerechtigkeit besagt oder verlangen sollte. François Dubet und seine Mitarbeiter analysieren aber auch die andere Seite der Klagen – den Glauben an die Gleichheit, die Anerkennung der Leistung und das Streben nach Autonomie. Sie skizzieren damit die Umrisse unserer gemeinsamen Werte.