Angaben aus der Verlagsmeldung

Soll und Haben : Fernsehgespräche / von Alexander Kluge, Joseph Vogl


»Der Hypochonder ist ein Beamter der körperlichen Schmerzen.« »Die Lösungen liegen immer auf offener Straße, im Verkehr.« »Mein Körper ist ein Zeitschwamm, ein Zeittümpel.« Sätze wie diese beginnen beim Lesen zu flimmern und entwickeln eine Eigendynamik; an ihnen stockt das Gespräch, wird atemlos, bewegt sich am Holzweg vorbei oder schlägt um.
Seit fünfzehn Jahren ist der Kulturwissenschaftler Joseph Vogl
immer wieder zu Gast in Alexander Kluges im wahrsten Sinne
des Wortes merkwürdigen Kulturmagazinen für das deutsche
Privatfernsehen, die zu sonderbaren Sendezeiten kurz vor Mitternacht den zerstreuten Zapper regelmäßig innehalten lassen. Eine Auswahl dieser Gespräche liegt nun erstmals in Buchform vor.
Ob Vogl über Amoklauf spricht, über den Zusammenhang von
Dichtung und Bürokratie, über Kapitalismus in Ostindien, über
Kafka und Deleuze, politische Tiere, Schmerz und Zaudern – immer
wieder kommen seine Ansätze Kluges Passion entgegen, Gegenstände ins Fernsehen zu holen, die dort gewöhnlich keinen Platz finden.
Zugleich sind die Gespräche ein Musterbeispiel für Alexander
Kluges charakteristische Interviewtechnik, aus der sich geradezu ein eigenes Genre entwickelt hat. Hier ist Joseph Vogl ein kongenialer Gesprächspartner: Es kommt zu »einer Art Druckausgleich zwischen dem Reden Vogls und dem Reden Kluges« (Michael Rutschky). Es herrscht Werkstattatmosphäre: Für den Leser (und Wieder-leser) vollzieht sich die mal allmähliche, mal sprunghafte Verfertigung der Gedanken im Gespräch – stets unterstützt durch Alexander Kluges beharrliche Präsenz, die den Befragten dazu bringt, mehr oder anderes zu erzählen als das öffentlich bekannte Werk.
Der Band enthält eine Auswahl aus mehr als 30 Fernsehinterviews,
die Alexander Kluge zwischen 1994 und 2008 mit Joseph Vogl geführt hat. Ergänzt wird die Ausgabe mit einem Gespräch, in dem die Rollen von Befrager und Befragtem vertauscht sind und Kluge einmal selbst im Vordergrund steht. »Ideeninseln, aus denen die restliche Welt strahlt…« (Tom Tykwer zu Alexander Kluges Fernsehen)
»Beinahe alle seine Sachen elektrisieren, haben thrill.« (Christian Geyer über Joseph Vogl in der FAZ)