Angaben aus der Verlagsmeldung

Mittelalterliche Schachzabelbücher zwischen Spielsymbolik und Wertevermittlung : Der Schachtraktat des Jacobus de Cessolis im Kontext seiner spätmittelalterlichen Rezeption / von Oliver Plessow


Die Studie untersucht anhand eines im Lateinischen wie in den Volkssprachen weit verbreiteten Textes spätmittelalterliche Wege der Moralerziehung. Im Mittelpunkt stehen dabei der ›Liber de moribus hominum et de officiis nobilium sive de ludo scaccorum‹ des Genueser Dominikaners Jacobus de Cessolis und dessen deutsche Übersetzungen. Diese ›Schachzabelbücher‹ heben sich von der Masse der damaligen Moralschriften ab, insofern sie in einmaliger Weise die Tradition der Exempel- und Sentenzensammlung mit einer auf dem Schachspiel basierenden Ständeallegorie verknüpfen. Die Schachbildlichkeit erfüllte in den Schachzabelbüchern eine Doppelfunktion als textprägendes Strukturmerkmal und als Gesellschaftsmetapher. Durch eine rezeptionsgeschichtliche Analyse wird vorgeführt, wie der Text, der im Lateinischen zunächst als Handreichung für Prediger entstand und dies auch für die gesamte Dauer des Mittelalters blieb, mit dem Übergang in die Volkssprache neue Leserschichten erreichte. Deren ganz eigene Annäherung an den Text hinterließ deutliche Spuren in der Ausgestaltung von Handschriften und Drucken. Trotz des im Kern immer gleichen Textbestands ergaben sich markante Verschiebungen im Verhältnis von Symbolik und Wertevermittlung. Ein detaillierter und auf die spezifische Fragestellung ausgerichteter Katalog der Textzeugen ergänzt den Textteil der Studie.