Angaben aus der Verlagsmeldung

Lateinisch - Romanisch : Vorlesungen und Abhandlungen zum sogenannten Vulgärlatein und zur Entstehung der romanischen Sprachen / von Eugenio Coseriu


Der Band ‚Latein-Romanisch’ vereinigt die wesentlichen Texte Eugenio Coserius zum „Vulgärlatein“ und zur Entstehung der romanischen Sprachen, ausgehend von den frühen Vorlesungen in Montevideo zum Lateinischen und zum „Vulgärlatein“ (1952, „Das sogenannte Vulgärlatein“) bis zum postum veröffentlichten Vortrag in Gent (2005, „Das Vulgärlatein der Romanisten“). Im Mittelpunkt des Bandes steht die bisher unveröffentlichte große Vorlesung zum „Vulgärlatein“ (Bonn 1961 und Tübingen 1965), die von Coseriu schon für eine Veröffentlichung vorgesehen war und dazu nur wenig überarbeitet werden musste. Sie enthält nicht nur wesentliche Ergänzungen und eine Fortführung der Gedanken der früheren Texte, sondern auch eine Anwendung der Theorie des Sprachwandels, wie sie in „Synchronie, Diachronie und Geschichte“ (1958/1974) und anderen Schriften entwickelt wurde, auf die Entwicklung des Lateinischen zu den romanischen Sprachen. In dieser Vorlesung finden wir auch die erste zusammenhängende Darstellung des griechischen Einflusses auf das „Vulgärlatein“; diese Darstellung wird ergänzt durch den ebenfalls in den Band aufgenommenen Forschungsbericht von 1996 („Latein und Griechisch im sogenannten Vulgärlatein“). Beiträge zur Forschungsgeschichte – immer ein wesentliches Charakteristikum der Arbeitsweise Coserius – schließen sich an („Vulgärlatein und Rumänisch in der deutschen Tradition“, „Griselini, das Rumänische und das Vulgärlatein“, „Das Vulgärlatein der Romanisten“); der Kongressbeitrag „Das Vulgärlatein und der romanische Sprachtypus“ (1987) rundet den Band mit der zentralen Problematik und Gedanken ab, die ebenfalls schon in der Vorlesung von 1961/65 thematisiert wurden: die Veränderungen zur Zeit des „Vulgärlateins“ betreffen den Sprachtypus; Vulgärlatein und romanische Sprachen setzen nicht das „klassische“ Latein fort, die Einheit der romanischen Sprachen ist auf eine neue charakteristische Form zurückzuführen. Mehr als deutlich wird auch, dass für Coseriu das ganze Latein (literarisch, volkstümlich, geschrieben, gesprochen, kultiviert oder umgangssprachlich usw.) als Diasystem aufgefasst wird und die Sprachvariation folglich auch zum Wesen des Lateinischen gehört, das sogenannte Vulgärlatein also nur Teil eines Ganzen ist und zeitlich aufgrund seiner Merkmale und ungewöhnlich beschleunigten Entwicklung in das 2. bis 4. Jahrhundert n. Chr. anzusetzen ist. Die in diesem Band vereinigten Vorlesungen und Texte spannen einen weiten Bogen und führen den Leser / den Studenten nicht nur in eines der wichtigsten Kapitel der romanischen Sprachgeschichte, sondern auch in das sprachtheoretische Denken Eugenio Coserius ein, das in der gegenwärtigen Diskussion um Sprachgeschichte, Sprachwandel und Herausbildung der romanischen Sprachen eine neue Aktualität gewinnt. Gerade dem in den letzten Jahren neu erwachten Interesse am Vulgär-und Spätlatein (siehe die alle drei Jahre stattfindenden Kongresse „Latin vulgaire – latin tardif“, zuletzt in Oxford 2006) kann dieser Band entgegenkommen und hilfreich sein. Zahlreiche Anmerkungen durch den Herausgeber, Querverweise auf die sonstigen Äußerungen in den Werken Coserius zum Lateinischen bzw. „Vulgärlatein“ sowie ins Detail gehende bibliographische Hinweise aktualisieren die Texte, so dass nun ein umfassendes und trotz des komplexen Themas leicht lesbares Handbuch Coserius zur ersten Phase der Entstehung und Herausbildung der romanischen Sprachen auf Deutsch vorliegt.

Aus dem Inhalt:
Einleitung · Latein · Vulgärlatein · Das sogenannte Vulgärlatein und die ersten Differenzierungen in der Romania · Das „Vulgärlatein“ und die Entstehung der romanischen Sprachen (Vorlesung Bonn 1961/62 und Tübingen 1965) · Latein und Griechisch im sogenannten Vulgärlatein · Vulgärlatein und Rumänisch in der deutschen Tradition · Griselini, das Rumänische und das Vulgärlatein · Das Vulgärlatein der Romanisten · Das Vulgärlatein und der romanische Sprachtypus · Bibliographie · Indices (Namen, Wortindex, Sachindex) · Herkunftsnachweis der Texte