Angaben aus der Verlagsmeldung

Öffentliche Sünder in der Kirche des späten Mittelalters : Verfahren, Sanktionen, Rituale / von Friederike Neumann


Ehebruch, Totschlag, Wucher und viele andere Verstöße gegen kirchlich definierte Verhaltensnormen galten, wenn sie bekannt wurden, im Spätmittelalter als öffentliche Sünden. Um sie zu sanktionieren, stand der Kirche ein Verfahren zur Verfügung, das über das Bußsakrament hinausging und doch meist unterhalb der Schwelle kirchlicher Strafgerichtsbarkeit blieb. Es mündete in der Regel in der Absolution. Einem alten kanonischen Grundsatz folgend sollte sie
mit der Auflage gewährt werden, ein öffentliches Bußritual durchzuführen. Die Autorin zeigt, wie dieses um die bischöflichen Reservatsfälle konstruierte Verfahren im Bistum Konstanz des 15. Jahrhunderts funktionierte und mit welcher Dynamik es sich entwickelte. Waren in der Mitte des 15. Jahrhunderts öffentliche Bußrituale noch üblich, werden sie seit den 1460er Jahren immer häufiger abgelöst. Die kirchliche Reaktion auf öffentliche Sünden wurde weniger wahrnehmbar und in der Folge übernahmen weltliche Obrigkeiten Elemente des kirchlichen Sanktionierungsrepertoires.