Angaben aus der Verlagsmeldung

Avantgarde und Psychotechnik : Wissenschaft, Kunst und Technik der Wahrnehmungsexperimente in der frühen Sowjetunion / von Margarete Vöhringer


Das Leben als Experiment: Die Wechselwirkung von Psychologie, Politik und Kunst in der Sowjetunion der 20er Jahre.

Die russische Avantgarde der 1920er Jahre versteht die neue revolutionäre Gesellschaft als quasi-künstlerische Versuchsanordnung. Die Dinge sollen wieder um ihrer selbst willen wahrgenommen werden, der Blick auf das Leben von jeglicher Automatisierung »befreit«.
Beeinflusst werden die Künste dabei von jenen Wissenschaften, die mit der Revolution rasante Verbreitung finden: Psychologie, Physiologie und vor allem die Psychotechnik.
Margarete Vöhringer präsentiert drei ihrer wichtigsten Protagonisten: den Architekten Nikolaj Ladovskij, der für sein »Psychotechnisches Labor für Architektur« eigens Wahrnehmungsapparate baut; den Filmemacher Vsevolod Pudovkin, der in Ivan Pavlovs Labor einen Film dreht, um im Kino Augenreflexe zu erzeugen; den Philosophen Alexander Bogdanov, der kollektive Bluttransfusionen durchführt, um psychisch erkrankte Arbeiter zu heilen.
Die Gegenüberstellung macht deutlich, wie schwer eine klare Trennlinie zwischen Wissenschaft und Kunst zu ziehen ist: Die so unterschiedlich scheinenden Ansätze zeugen alle von einer Experimentalkultur, die kleine, alltägliche Mittel findet, Menschen miteinander in Verbindung zu setzen, ihre Gedanken in Einklang zu bringen und nicht zuletzt auf eine subtile Weise Macht auf sie auszuüben.