Angaben aus der Verlagsmeldung

Laboratorium Lack : Baumeister, Schlemmer, Krause 1937-1944


Das Katalogbuch zur gleichnamigen Ausstellung im Kunstmuseum Stuttgart, 28. April bis 22. Juli 2007.

Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung waren Willi Baumeister und Oskar Schlemmer als so genannte "entartete Künstler" aus ihren Professuren entlassen worden. 1941 erhielten sie zusätzlich Mal- und Ausstellungsverbot. Zwischen 1937 und 1944 waren sie bei der Wuppertaler Lackfabrik Dr. Kurt Herberts & Co. angestellt. Dort fertigten die beiden gemeinsam mit dem Künstler und Architekten Franz Krause über 160 Versuchstafeln an, die ein wichtiger zeitgenössischer Beitrag zur Erforschung der Maltechnik sind. Mit außergewöhnlichem Engagement konnten die "Freunde des Kunstmuseum Stuttgart" jetzt diese einmaligen Arbeiten erwerben. Sie werden dem Museum im April 2007 feierlich übergeben und gehören ab dann zum Bestand der Sammlung. Rund um diese Neuerwerbung präsentiert das Kunstmuseum Stuttgart vom 28. April bis 22. Juli die Ausstellung "Laboratorium Lack. Baumeister, Schlemmer, Krause 1937-1944".
Bei ihren Experimenten arbeiteten die drei Künstler mit Farbtropfen, Farbverläufen und pastosem Auftrag von Farben oder Spachtelkitt. In anderen Versuchen betonten sie Pinsel- oder Kammzüge oder arbeiteten mit Feuer. Sie gebrauchten Spritz- und Abklatsch-Techniken, verarbeiteten Sand und Glassplitter, sie integrierten sogar chemische Reaktionen oder Pressluft in ihre Gestaltungen. Mit "Modulationen" (die Fläche belebenden Farbaufträgen) und "Patina" (Spuren des natürlichen Alterns) erprobten sie zufällige und neuartige Strukturen mit ästhetischer Wirkung. Von zentraler Bedeutung waren die "Eigenbildungskräfte" der Materialien, nicht so sehr die Kontrolle des Künstlers über sie. Als Vorbild dienten Naturphänomene und die Ausformung ihrer Oberflächen, z.B. bewegtes Wasser, dichter Waldbewuchs, verwitterte Wände. Zudem verfassten Baumeister, Schlemmer und Krause Publikationen zur Geschichte der Maltechnik von der Vorzeit bis in die Gegenwart, die in der "Schriftenreihe Dr. Kurt Herberts" erschienen.
Alle drei Künstler kamen auf Vermittlung des Architekten Heinz Rasch bei der Lackfabrik von Dr. Kurt Herberts unter. Mit dem Wuppertaler Fabrikanten verband sie aber auch ihre enge Beziehung zu Stuttgart: Willi Baumeister und Oskar Schlemmer hatten gemeinsam bei Adolf Hölzel an der Stuttgarter Kunstakademie studiert, Franz Krause war technischer Bauleiter am Weißenhof, Kurt Herberts hatte an der Technischen Hochschule Stuttgart promoviert. Ihre Bildexperimente knüpfen direkt an die Materialverwendung der Surrealisten an und greifen die Ästhetik von Fotogrammen auf. Sie weisen auf Formgebungen des Informel und des abstrakten Expressionismus voraus.

In der Ausstellung sowie der zugehörigen Publikation werden diese historisch bedeutsamen Versuchstafeln einer Reihe von Werken gegenübergestellt, über die interessante visuelle Analogien und technische Bezüge sichtbar werden. Dazu gehören Werke von Max Ernst, Óscar Domínguez, Albert Renger-Patzsch, Ernst Wilhelm Nay, Mark Tobey, Jackson Pollock, Sigmar Polke, Andy Warhol sowie asiatische Lackobjekte.
Aus dem Inhalt: Ereignis/Bild. Einblicke in das Laboratorium der Wuppertaler Arbeitsgemeinschaft; Der Künstler als Material(geschichts)forscher. Willi Baumeisters Arbeit für das Wuppertaler Maltechnikum; Das kleine Werk. Opustheoretische Überlegungen zu den Lacktafeln von Willi Baumeister, Oskar Schlemmer und Franz Krause im Kunstmuseum Stuttgart; Annäherung an eine Materialikonografie des Lacks; "Also Lack! – Was ist Lack? Wo ist sein Ursprung? Was ist sein Wesen?" Lacktechnische Anmerkungen zu den Lacktafeln von Willi Baumeister, Oskar Schlemmer und Franz Krause; Die Lebendigkeit des Materials. Zur Geschichte selbstorganisierender Flecken zwischen Kunst und Wissenschaft