Angaben aus der Verlagsmeldung

Ganz unten : Die Entdeckung des Elends – Wien, London, Berlin, New York / von Werner Schwarz, Magarethe Szeless, Lisa Wögenstein


Ausstellung im Wien Museum

Der gewaltige Urbanisierungsschub, die tristen Wohnverhältnisse und die Entstehung eines Industrieproletariats ohne jede soziale Absicherung: All das löste ein neues Interesse an den „dunklen“, verborgenen und elenden Zonen der Stadt und am Leben der Deklassierten und Außenseiter aus, sei es aus sozialkritischen oder philanthropischen Motiven.

Romanautoren wie Dickens und Zola, Publizisten und Künstler begaben sich als "urban explorers" auf Entdeckungsreisen in die Randzonen der Gesellschaft, zuerst in London und Paris, bald auch in Wien und Berlin.
Das Buch zeigt graphische Zyklen von bedeutenden Künstlerinnen und Künstlern wie Gustave Doré, Käthe Kollwitz oder Heinrich Zille, sowie fotografische Sozialreportagen und Materialien aus frühen wissenschaftlichen Untersuchungen zu Slums, Armut, Alkoholismus und Prostitution. Die Grenzen zwischen Agitation und Sentimentalität waren fließend.
Im Zentrum steht eine Bildserie aus Wien: Ein „Wanderbuch aus dem Jenseits“ nannte der Journalist Emil Kläger 1910 seinen Bericht über die „Quartiere des Elends und des Verbrechens“, für den er – begleitet vom Amateurfotografen Hermann Drawe – monatelang bei den Obdachlosen im Wiener Kanalsystem und in Elendsquartieren unterwegs war.
Das Publikumsecho war gewaltig und schwankte zwischen Erschrecken, Voyeurismus und Anteilnahme. Bilddokumente zum Berliner Wohnungselend, Reportagen des jüdischen Elends von Bruno Frei (Wien), die moralisierende Bilderschau „Slum Life in our Great Cities“ der englischen Temperance-Bewegung (London) oder der 1890 veröffentlichte Fotobericht über die sozialen „outcasts“ des New Yorker Polizeireporters Jacob A. Riis ergänzen die Wiener Bildserie.