Angaben aus der Verlagsmeldung

Wolframs von Eschenbach "Parzival" als Entwicklungsroman : Gattungstheoretischer Diskurs und literaturpsychologische Deutung / von Ruth Sassenhausen


Bislang wurde der Parzival Wolframs von Eschenbach als Artus- oder
Gralsroman in den gattungshistorischen Kontext der Zeit um 1200
eingeordnet. Ruth Sassenhausen appliziert erstmals die traditionell für
die Romanliteratur seit dem 18. Jahrhundert indizierte Kategorie des
Entwicklungsromans auf das mittelalterliche Erzählwerk. Der innovative
Ansatz wird durch die Fokussierung der Interpretation auf die
Entwicklung des Helden, den Rekurs auf die mittelalterliche Theorie der
Lebensalter sowie eine literaturpsychologische Herangehensweise
fundiert. Im Kontext der Analyse wird deutlich, dass bereits von der
Spätantike bis zum Hochmittelalter eine etablierte historische
Psychologie existierte, die unter Berücksichtigung epochaler
Unterschiede auch Ähnlichkeiten mit modernen wissenschaftlichen
Einsichten aus der Entwicklungspsychologie aufweist. Aufgrund seiner an
mittelalterlichen Konzepten der Lebensalter orientierten Erzählordnung
kann damit der Parzival als Lebensalterroman, eine dem Entwicklungsroman
untergeord-nete Gattung, bestimmt werden.