Angaben aus der Verlagsmeldung

"Stiefbrüder" : Nation und Konfession in der Schweiz und in Europa (1656–1712) / von Thomas Lau


Im 17. Jahrhundert wurden neue Methoden des Ideologietransfers und
neue überkonfessionelle Nationenkonzepte entwickelt, die die Zukunft des
modernen Nationalismus prägen sollten. So wenig aber nationalistische
Argumentationsmuster in dieser Zeit zwangsläufig Staatsbildungsprozesse
unterstützten, so wenig waren sie als Allheilmittel bei konfessionellen
Konflikten brauchbar. Das Buch beschäftigt sich am Beispiel der Schweiz
mit den reformierten sowie den katholischen Ansätzen zur Konstruktion
einer konfessionell ausgerichteten eidgenössischen Sakralnation. »Unsere
eydtgenössischen Stiefbrüder«, so nannten katholische Schweizer ihre
reformierten Landsleute seit dem späten 16. Jahrhundert. Diese Metapher
drückte ein ambivalentes Verhältnis aus, sie beschrieb Nähe und
Entfremdung zugleich. Der Autor geht den Gründen für die
interkonfessionelle Sprachlosigkeit ebenso nach, wie er die Versuche
analysiert, sie mithilfe neuer nationaler Mythologien zu überwinden.
Dabei wird die Eidgenossenschaft nicht isoliert betrachtet, sondern als
Teil eines europäischen Ideenmarktes, dessen Spielregeln Ende des 17.
Jahrhunderts einen markanten Wandel durchliefen.