Angaben aus der Verlagsmeldung

Zwangsarbeit im Landkreis Göttingen 1939-1945 / von Günther Siedbürger


Zwangsarbeit – kein anderes Verbrechen des Nationalsozialismus vollzog sich so sehr in aller Öffentlichkeit wie dieses. 14 bis 15 Millionen Männer, Frauen und Kinder aus den überfallenen Ländern sind während des Krieges zur Arbeit in Deutschland gezwungen worden. Ihre Tätigkeit in nahezu sämtlichen Bereichen der Wirtschaft und des öffentlichen Lebens nützte dem NS-Staat ebenso wie einer Vielzahl seiner Bewohner: vom Industrieunternehmer über den Handwerker, Einzelhändler, Bauern bis hin zur Privatperson als Konsument, Zugreisendem, Krankenhauspatient, Wirtshausbesucher usw. usw.

Gleichwohl blieb dieses Verbrechen bis vor wenigen Jahren eines der bestgehüteten Geheimnisse des „Dritten Reiches“, in der öffentlichen Erinnerung ebensowenig präsent wie in Ortschroniken, Firmengeschichten oder Handwerkschroniken.

Für den Landkreis Göttingen (mit Ausnahme der Stadt Göttingen, für die eine eigene Studie in Auftrag gegeben wurde) hat der Kulturwissenschaftler Günther Siedbürger eine Vielzahl z.T. erstmals eingesehener Quellen gesichtet, Interviews geführt, Fragebögen ausgewertet und Bilder zusammengetragen, mit deren Hilfe er nun anschaulich ein umfassendes Bild der Situation in den Jahren 1939 bis 1945 zeichnet. Die vom Landkreis Göttingen initiierte Studie zeigt, in welch großem Ausmaß Zwangsarbeit von ausländischen Zivilpersonen in unseren Dörfern und Städten stattgefunden hat und in welchen Bereichen sie überall anzutreffen war. Sie schildert die ständige Gefährdung der Betroffenen durch die nationalsozialistische Diskriminierung und Verfolgung und zeichnet ein Bild ihrer sehr unterschiedlichen Lebenswirklichkeiten. Das von offener Unterdrückung bis zu versteckter Hilfeleistung rangierende Verhältnis der Einheimischen zu den Ausländern kommt zur Sprache, und die Betroffenen schildern die Dinge aus ihrer Perspektive.

Dieses Buch reflektiert die Geschichte der Region in den Jahren des Zweiten Weltkriegs. Es leistet außerdem einen Beitrag zur Klärung offener Fragen zur NS-Zwangsarbeit. Und es zeigt die Folgen von Rassenideologie und Kriegspolitik.